
Bei großen Industrieanlagen kann eine Optimierung der Automatisierung zu enormen Effizienzsteigerungen führen. Gleichzeitig darf das Equipment dadurch unter keinen Umständen überlastet werden, denn dann drohen millionenschwere Schäden. Der Firma infoteam ist es mit der echtzeitfähigen Soft-SPS SmartPLC und unter Verwendung von lediglich zwei Industrie PCs gelungen, einen Höhenprüfstand für Flugzeugturbinen zu optimieren. Mit der neuen Automatisierungslösung kann die selbe Anlage nun Testszenarien durchführen, die vorher nicht möglich waren.
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Flugzeugturbinen müssen enormen Belastungen standhalten. Natürlich müssen die Aggregate vor ihrer Benutzung auf Herz und Nieren getestet werden. Das Institut für Luftfahrtantriebe der Universität Stuttgart, kurz lLA, betreibt dazu einen Höhenprüfstand, der einmalig in Deutschland ist. Dieser Prüfstand besteht aus einer Leitwarte, von wo aus die Anlage kontrolliert wird und die Versuche für die Testturbinenprüflinge gefahren werden. Der Anlagenteil besteht aus einem geschlossenen Rohrleitungssystem, in dem insgesamt fünf Verdichter Über- oder Unterdruck erzeugen und so die Drücke verschiedener Flughöhen simulieren. Läuft die Anlage in vollem Betrieb, haben die Verdichter eine Stromaufnahme von 35M1V, weshalb der Prüfstand ausschließlich am Abend und in der Nacht zu den günstigeren Energiepreisen betrieben wird. Auch wenn diese Maschinen aus soliden Teilen wie zentimeterdicken Gussgehäusen und armdicken Schrauben bestehen, gibt es ein physikalisches Phänomen, das sie binnen Sekunden zerstören und Millionenschäden anrichten kann. Gemeint ist der so genannte Pumpstoß. Bei Überlastung reißt der Luftstrom abrupt ab und die angetriebenen Verdichterschaufeln laufen Gefahr, völlig zerstört zu werden. Dieser Pumpstoß darf also unter keinen Umständen eintreten. Aus diesem Grund werden die Verdichter mit zwei redundanten Regelungen vor einem solchen Vorfall geschützt: der Pumpverhütung zum sicheren Betrieb bis an die Leistungsgrenze und dem Pumpschutz zur Verhinderung deren Überschreitung. Beide Schutzeinrichtungen arbeiten jeweils unabhängig voneinander an jedem Verdichter mit mehreren Druck- und Temperatursensoren. Stellglied ist dabei eine hydraulische Bypass-Klappe, die den Luftstrom regelt. Im Überlastungsfall öffnet sie sich sehr schnell, um Schäden zu verhindern. Damit ist dann zwar der Versuch abgebrochen, aber der Verdichter gerettet. Ein neues Kundenprojekt eines europäischen Konsortiums von Triebwerksherstellern löste beim lLA den Gedanken an eine Verbesserung des existierenden Systems aus. Der Auftrag von infoteam war es, eine Automatisierungslösung zu realisieren, die mit dem bestehenden Equipment den Betrieb der Anlage dichter an der Leistungsgrenze ermöglicht. Es sollten dazu die Regelungen Pumpschutz und Pumpverhütung neu realisiert und die Sensorik ausgetauscht werden. infoteam ist dabei als Systemintegrator aufgetreten und war als General Unternehmer für die Planung, die ziel- und fristgerechte Realisierung und die Inbetriebnahme verantwortlich. Die Lösung Um diesen hohen Anforderungen gerecht zu werden, hat infoteam eine Automatisierungslösung mit zwei Industrie-PCs entwickelt. Herzstück der Steuerung ist die echtzeitfähigen Soft-SPS SmartPLC. Dabei handelt es sich um eine Software, die aus einem herkömmlichen Industrie-PC eine speicherprogrammierbare Steuerung macht. Die Soft-SPS arbeitet mit dem dazugehörigem Programmiersystem OpenPCS von infoteam. Damit können die Automationsprogramme für die Soft-SPS geplant, implementiert, getestet und in Betrieb genommen werden. Das Programmiersystem ist IEC61131-3-konform und unterstützt die Programmiersprachen Funktionsbausteinsprache, Kontaktplan, Ablaufsprache, Strukturierter Text und Anweisungsliste. Mit den PCs als Plattform wurden zwei wichtige Anforderung direkt auf den Rechnern umgesetzt: das Logging aller ein- und ausgehenden Signale und die Visualisierung.
Logging & Visualisierung Um die Versuche nachträglich effektiv auswerten zu können, werden für jede Regelung getrennt im Regelungstakt die Werte aller eingehenden und ausgehenden Signale als Datensätze in einer Logging-Datei vermerkt. Die Größe dieser Dateien kann nach einer Versuchsreihe leicht im Megabyte-Bereich liegen. Hier zeigt sich bereits ein entscheidender Vorteil der Industrie- PCs im Vergleich zur Ausführung mittels einer traditionellen speicherprogrammierbaren Steuerung: die Realisierung des Loggings und die Analyse mit Analyze- Tools oder gar mit MS-Excel ist ein Kinderspiel. Um den Zustand der Verdichter sofort auf einem Bildschirm sehen zu können, müssen die wichtigsten Signale direkt auf einem Bildschirm angezeigt werden. Eine speicherprogrammierbare Steuerung kann diese Visualisierung meist nicht leisten. Die Industrie-PCs können dies ohne den Einsatz zusätzlicher Hardware.
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Ebenso entscheidend ist, dass mit den leistungsfähigen PCs von Siemens die Systeme rein softwaretechnisch ohne Veränderung der Hardware ausbaubar sind. infoteam sieht mit Siemens zwar auch eine langfristige Versorgung, hohe Qualität und guten Service gewährleistet, durch die weitestgehende Standardisierung der PC-Architektur ergibt sich jedoch der Vorteil größerer Lieferantenunabhängigkeit gegenüber einer SPS. Echtzeitfähigkeit infoteam hat sich bei der Wahl der Betriebssysteme entschieden für WindowsXP, erweitert um die Echtzeiterweiterung RTX von Venturcom. Dabei schiebt sich RTX zwischen Hardware- Abstraction - Layer (HAL) und Betriebssystem und kontrolliert alle Ressourcenzugriffe von Windows. Nur so kann beispielsweise ein Timer von RTX hoch präzise ausgelöst und bearbeitet werden, obwohl ein anderer Thread gerade auf Festplatte schreibt, also einen sehr langsamen und undeterministischen Zugriff durchführt. Hier zeigt sich die Stärke der Soft-SPS. Denn sie ist eine Multi-Threaded-Application, in der mehrere RTX-Threads untereinander synchronisiert und priorisiert ablaufen. RTX ermöglicht es, die Soft-SPS als Applikation zu erstellen, in der dann hochpriore deterministische Threads gemischt mit niederprioren, nicht deterministischen Threads laufen. Im Ergebnis wird zum Beispiel der Thread, der zum Logging intensiv die Festplatte nutzt und mit niedrigerer Priorität läuft, unterbrochen, wenn der hochgenaue Timerthread zum Auslesen der Drucksensoren aufgerufen wird. Features der Automatisierungslösung Die Regelung der Anlage erfolgt durch ein redundantes System mit zwei funktional diversitären Regelungskreisen, die jeweils über eine eigene Peripherie und einen eigenen PC verfügen. Die Primärregelung hat die Aufgabe, das Verdichterdruckverhältnis auch bei
Dabei müssen jedoch zwei Aspekte berücksichtigt werden: Zum einen kann die Regelung bei schnellen Änderungen ein Überschießen des Istwertes nicht vollständig verhindern. Zum anderen wird das Pumpdruckverhältnis von zahlreichen Parametern wie Verschmutzung, thermischem Zustand (Schaufelspalte), Luftfeuchtigkeit und Reynoldszahl beeinflusst und ist somit nicht exakt vorhersehbar. Die Berücksichtigung aller denkbaren Einflussgrößen beim Sicherheitsstandard würde jedoch den Betriebsbereich der Anlage stark einschränken. Deshalb ist die Erkennung eines Pumpstoßes unverzichtbar. Diversität ist ein erprobtes Mittel zur Beherrschung systematischer Fehler. Software in der Automatisierung ist zumeist strukturell einfach und somit gut testbar. Damit lassen sich Fehler im Sourcecode weitgehend eliminieren. Diversität auf der Stufe von Sourcecode und Maschinencode wird in ihrer Wirksamkeit daher oft überschätzt. Die in der Praxis bedeutenden Fehler sind überwiegend Spezifikationsfehler. Damit Diversität hier wirksam ist, muss sie auch auf der Spezifikationsebene zur Anwendung kommen. Aus diesen beiden Gründen entschied man sich, das bestehende Konzept einer funktionalen Diversität von Pumpverhütung und Pumpschutz beizubehalten. |
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