DeutschEnglishSchweizChinese
Kontakt | Impressum | RSS

Search:

History in the Making


Kunststoffe elektrisch gespritzt - Hochleistungs-SoftSPS mit Motion Control

Neuartige Produkte aus ein -oder mehrfarbigen Kunststoffen wie Mobiltelefone oder medizinische Geräte erfordern schlag- und kratzfestes Material. Die Herstellung erfolgt deshalb mit hohen Temperaturen, erfordert einen schnellen Einspritzvorgang und eine extreme Dynamik beim Öffnen und Schließen der Form. Dies ist mit herkömmlicher Automatisierungstechnik nicht kostengünstig zu lösen, sondern erfordert innovative Konzepte.

Haben Sie sich neulich auch eine Brille gekauft? Dann sicher eine mit diesen neuartigen, kratzfesten Kunststoffgläsern mit spezieller Beschichtung gegen Spiegelungen! Dass es sich dabei um ein Hightech-Produkt handelt kommt einem eigentlich kaum in den Sinn. Dabei dauert die Evolution der Produktionsmethoden, die eine solche Präzision im Spritzen von Kunststoffen erlauben schon mehr als zehn Jahre an. Künftig werden Teile für medizinische Anwendungen statt aus Stahl ebenso aus Kunststoffen sein, wie die Flachbildschirme der nächsten Generation.

Die Anforderungen hochpräziser Fertigungstechnik gehen über die Logikverarbeitung traditioneller SPS-Technik weit hinaus. Die hohe Effektivität moderner Automatisierung wird maßgeblich durch ein Maximum an Flexibilität und Dynamik erreicht. Dies erfordert immer kürzere Reaktionszeiten der Steuerungs- und Regelsysteme. Die Ergänzung der SPS durch Servoantriebe mit einer Vielzahl von Parametern erhöht hierbei nur die Komplexität der Aufgabe ohne zu deren Lösung beizutragen.Die Notwendigkeit einer nahtlosen Verzahnung von Antrieb und Steuerung wird am Beispiel einer vollkommen elektrisch angetriebenen Kunststoff-Spritzguss-Maschine deutlich. Im Gegensatz zur konventionellen Technik werden keine hydraulisch betriebenen Schließzylinder und Einspritzpumpen eingesetzt. Die volle Schließkraft wird alleine durch den elektrischen Antrieb aufgebracht. Kritisch ist dabei die zeitliche Abstimmung der einzelnen Vorgänge auf die extrem kurze Zeitspanne, bei welcher der Hauptantrieb die Form bei Stillstand des Motors unter Volllast geschlossen hält und die Einspritzung des Kunststoffs erfolgt.


Im Wesentlichen bestimmen zwei Parameter die zu erzielende Qualität der gefertigten Produkte:

  • Der Einspritzdruck und die
  • Schließkraft der Form

Für beide gilt, dass neue Produkte zunehmend höhere Leistung und vor allem eine genauere Regelung des Verlaufs der Druckprofile erfordern, die mit herkömmlichen, hydraulischen Spritzgussmaschinen nicht zu erreichen sind. Die Regelung des Einspritzdrucks gemäß einem vorgegebenen Profil führt dabei zu einem gleich-mäßigen Füllvorgang auch bei komplexen Formen des Produkts.
Der hochdynamische Vorgang zum Druckaufbau beim Schließen der Form läuft in Zyklen kleiner als eine Millisekunde ab und enthält ein kurzzeitiges Öffnen der Form um Luft entweichen zu lassen und dadurch das Material gleichsam in den letzten Winkel fließen zu lassen. Die bisher notwendigen Entlüftungskanäle der Form können deshalb weitgehend entfallen, was zu einer verbesserten Oberflächengüte der Spritzgussteile führt.
Produkte mit dreidimensionalem Aufbau und komplizierten Verästelungen erfordern deshalb eine, an dieses Produkt speziell angepasste Steuerung und Regelung des Produktionsprozesses.

Qualitätssicherung mit PC-basierter Automation

Die Verlagerung von Produktionsstätten in Schwellenländer mit einem Mangel an Facharbeitern stellt zudem besondere Anforderungen an die Automatisierung solcher Maschinen. Diese müssen über einen langen Zeitraum praktisch wartungsfrei betrieben werden können und über umfangreiche Möglichkeiten zur Selbstdiagnose für die gesamte Maschine verfügen. Sollen zur Qualitätssicherung dann auch noch die tatsächlichen Profile und eventuelle Abweichungen als Produktionsdaten
in Echtzeit aufgezeichnet werden, so ist auch die herkömmliche SPS völlig überfordert.

Neue Produktionsmethoden an der Grenze des technisch Machbaren erfordern ein besonderes Augenmerk bei der Gütekontrolle und Qualitätssicherung. Bedeutung erlangt dies vor allem bei der Produktion medizinischer Geräte und bei Produkten, die eine Nullfehler-Güte verlangen wie LCD-Bildschirme. Die Erfassung der
Produktionsdaten für jedes einzelne Stück ist mit voll elektrisch betriebenen Spritzgussmaschinen
wesentlich präziser als bisher möglich. So kann nicht nur die Temperatur des Einspritzgutes und der Einspritzdruck, sondern das gesamte Druckprofil
beim Schließen der Form und der Verlauf des Einspritzdrucks mit vorgegebenen Sollkurven verglichen werden.Werden diese Daten mit
den Sollkurven der Qualitätssicherung korreliert, erhält man nicht nur eine Aussage über die Qualität der Produkte, sondern über die Güte des Produktionsprozesses. Dies ist eine neue Dimension der Qualitätssicherung, die durch die Ablösung der herkömmlichen SPS durch eine
PC basierte Steuerung möglich wurde.

PC-basierte Steuerung als Komplettlösung

Das Mechanical Institute & Research Lab in Hsin Chu (Taiwan) hat deshalb für den All Electric Injection Moulding Controller eine PC-basierte Automatisierungstechnik gewählt. Die analogen und digitalen Ein/Ausgänge sind ebenso wie die Servoantriebe als PC-Karten realisiert. Dies führt zu einer kompakten aber durch einfachen Austausch von Karten leicht wartbaren Steuerungslösung.
Dieses „All in One“ Konzept ermöglicht eine extrem kostengünstige Lösung, zumal durch die vergleichs- weise kompakte Bauweise der Maschinen ein Feldbus keine Vorteile im Verdrahtungsaufwand bringt. Neben dem Preis ist die Leistungsfähigkeit der Steuerung das zweite ausschlaggebende Kriterium. In dieser Hinsicht übertrifft selbst ein einfacher Pentium-266MHz-Prozessor jede SPS um Faktoren bei einem Bruchteil des Preises.


Hochleistungs-SoftSPS mit Motion Control 

Da DOS bereits seit vielen Jahren in anderen MIRL-Projekten eingesetzt wurde, lagen hierfür bereits Erfahrungswerte für die wesentlichen Leistungsdaten vor. Die Entwicklung einer zeitgemäßen grafischen Benutzeroberfläche ist damit aber nicht möglich.

Die bewährte Kombination von Windows XPembedded, erweitert um ReadyOn und RTX zur Erlangung der Echtzeitfähigkeit, schied wegen des hohen Speicherbedarfs und der anfallenden Laufzeitlizenzen aus.

 

 

  • Windows CE als preiswertere Alternative
  • liefert das notwendige Benutzerinterface
    und hat eine gute Echtzeitfähigkeit und wurde deshalb eingesetzt. Der Nachteil liegt dort
    eher in der vergleichsweise aufwendigen
    Implementierung der Geräteanbindung
    unter Echtzeitbedingungen.
  • Linux mit Real-Time-Application-
  • Interface hat sich aber in ersten Messungen
    als künftige Alternative bereits qualifiziert. Die Verfügbarkeit für eine große Anzahl Controller ermöglicht dabei auch Embedded-Lösungen mit vergleichbarer Leistung

Die Laufzeitumgebung auf der Steuerung muss sowohl den hohen Anforderungen an die Verarbei- tungsgeschwindigkeit der Motion-Control-Algorithmen gerecht werden, als auch in der Lage sein ein deterministisches Echtzeitverhalten für die SmartPLC zu gewährleisten. Dies ist im beschriebenen Anwendungsfall notwendig, weil die rein elektronische Auslegung der Antriebe in der Spritzgießmaschine die erfordert. Es muss insbesondere gewährleistet werden, dass der Antrieb für das Schließen der Form zeitlich unter allen Umständen deterministisch gesteuert werden kann, um eine Überlastung des Motors im geschlossenen Zustand der Form zu vermeiden. Dieser steht kurzzeitig unter voller Last still!

Die gemessene Zykluszeit von 0,64ms bei einer Größe des Anwendungsprogramms von 250kB ist Bestleistung sowohl hinsichtlich Performance als auch Kompaktheit des Anwendungsprogramms! Die SmartPLC selbst kann die hohen Anforde-rungen an die Signalverarbeitungsgeschwindigkeit erfüllen, weil sie einen prozessoroptimierten Native Code ausführt. Die Kommunikation zum Program- miersystem wird dabei so von der Ausführung des SPS-Zyklus entkoppelt, dass keine gegenseitige Beeinflussung möglich ist. Nur die nahtlose Kopplung zwischen SmartPLC und Motion Control eingebettet in Windows CE als  Echtzeitbetriebs-system gewährleistet ein deterministisches Lauf- zeitverhalten des Gesamtsystems.

Funktionsbausteine für SmartMotion


Bei einer voll elektrisch betriebenen Kunststoffspritzmaschine ist die Integration von Antriebssteuerung und SPS-Anwendungsprogramm der Schlüssel zu mehr Flexibilität, Produktivität und Qualität. Deshalb wurde der Funktionsumfang der IEC 61131-3-konformen Programmierumgebung mit OpenPCS von infoteam um eine Bibliothek leistungsfähiger Funktionsbausteine gemäß PLCopen-Profile ergänzt, die alle vier geregelten Achsen koordiniert ansteuern kann. Der komplexe Zusammenhang zwischen Einspritzdruck und Schließkraft erfordert dabei eine umfassende Ablaufsteuerung der Achsen untereinander. Die geforderte Zykluszeit von weniger als einer Milli- sekunde konnte nur durch den Einsatz von Stützpunkttabellen und der daraus berechneten Kurvenscheibentechnik erreicht werden.

Dies hat sich als wesentlich flexibler erwiesen, als das schrittweise Positionieren im Antrieb oder die Auslagerung der Funktionalität an dezentrale Motion Controller. Die technologische Innovation ist dabei die Realisierung der PLCopen Standard Motion Control-Funktionsbausteine. Deren Verknüpfung im CFC-Projektierungstool ermöglicht eine einfache, grafische Darstellung des Bewegungsablaufs und zugleich der Synchronisation zwischen mehreren Achsen. Mehrere Instanzen dieser Bausteine können miteinander verknüpft werden, um so Verfahrsequenzen achsspezifisch zu realisieren.

Neben dem lagegeregelten Positionieren werden auch geschwindigkeitsgeregelte Bewegungsarten unterstützt. Technologische Funktionen wie Kurvenprofile und Getriebegleichlauf ehören ebenso dazu, wie Druckmarkenkorrekturfunktionen sowie weg- oder zeitabhängige Synchronisationsprofile. Die Spezifikation vereinheitlicht hierbei nur die reine Aufrufschnittstelle der Bausteine. Deren Implemen-tierung ist hardwarespezifisch und kann zum Beispiel in Form von Firmware-Bibliotheken für einzelne Antriebe hinterlegt sein. Zudem lässt es die IEC 61131-3-konforme Spezifikation der Bausteine zu, dass diese entsprechend den Anforderungen
einzelner Antriebshersteller individuell erweitert werden können.

Diese Standardisierung lässt immer noch sehr viel Spielraum für die Integration im Programmier-system, die zudem um geeignete Anwendungen zur Konfiguration, Inbetriebnahme und Visualisierung von Motion-Control-Systemen ergänzt werden müssen. Vom Pilotprojekt zur Standardtechnologie Mit der „AllePLC“-Steuerung von MIRL und der SmartMotion-Implementierung ist der Nachweis gelungen, dass vollständig elektrisch angetriebene Kunststoffspritzmaschinen mit einer preiswerten Standardtechnologie auf PC-Basis neue Maßstäbe bei den Leistungs- und Qualitätsdaten setzen können. Die Zukunft gehört offenen Standards!

Nach IEC 61131-3 mit Motion-Control-Bausteinen und standardisierter Feldbustechnologie gewinnt Embedded-Linux als Echtzeit-Betriebssystem immer mehr an Bedeutung. Nach erfolgreicher Portierung der SmartPLC-Laufzeitumgebung auf Linux, ist die Ergänzung zu SmartMotion bereits erfolgt. Die Realisierung der Maschinenbedienung unter Linux verspricht weitere Verbesserungen insbesondere hinsichtlich der deterministischen Reaktionszeit auf Benutzereingaben. Der Erfolg des Projekts hat in Taiwan bereits zwölf Hersteller von Steuerungen für Kunststoffspritzmaschinen zusam-mengebracht, welche diese neue Technologie künftig einsetzen werden.


 Dieser Anwenderbericht steht Ihnen hier auch als PDF zum Download zur Verfügung.

 

Testautomatisierung von Gebäudetechnik mit Ranorex© >>

Leistungssteigerung eines Prüfstands dank eines echtzeitfähigen Systems:... >>

Unter Verwendung von lediglich zwei Industrie PCs ist es infoteam mit de... >>

Die Anforderungen hochpräziser Fertigungstechnik gehen über die Logikver... >>

ELSA ist ein Rahmenwerk, das den Anwender bei der Erstellung der Softwar... >>

Durch eine erfolgreiche Kooperation zweier mittelständischer Unternehmen... >>


© infoteam Software GmbH, URL: http://www.infoteam.de/de/geschaeftsfelder/automation/success-stories/mirl/